Kunstforum International berichtet in seiner neuesten Ausgabe über meine Aktion BETON-BROTE

veröffentlicht um 21.09.2013, 12:13 von Hermann Josef Hack


Beton-Brote

Von einem amerikanisierten Bundestagswahlkampf konnte wohl kaum die Rede sein angesichts der äusserst bieder geratenen Plakate mit den Politikerporträts an den Laternenpfählen. Alle abgebildeten Gesichter waren computergrafisch geglättet und möglichst faltenfrei geraten, und auch die Slogans empfanden viele als nichtssagend und austauschbar. Das war Grund genug für den Siegburger Künstler Hermann-Josef Hack, den Wahlkampf auf seine Weise zu beleben.

Da man vor allem dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück nicht so recht abnahm, ausgerechnet er sei eine Ikone der sozialen Gerechtigkeit, focussierte sich die künstlerische Intervention auf das Austeilen von „Beton-Broten“ im Straßenraum als Symbol für die „soziale Härte“: eindringlicher hätte man diesen Begriff nicht darstellen können als mit realen Broten in Eimern mit gehärtetem Beton, findet Hermann-Josef Hack. Zur Eröffnung einer Ausstellung in einem früheren Siegburger Möbelhaus führte Hack zudem eine Performance auf, bei der er Brotlaiben mit dem Brenneisen die Zeichen bekannter Edelmarken einbrannte.

Hack: „Der Titel ““Branding““, den man im Zusammenhang mit dem Aufbau einer Marke zu einem wiedererkennbaren Produkt verwendet, setzt sich kritisch mit dem Markenkult und dessen gesellschaftlichem Zusammenhang auseinander… Wir befinden uns mitten in einem globalen sozialen und wirtschaftlichen Umbruch. Mittelständische Unternehmungen und Existenzen werden von den großen Playern vernichtet. Das gilt für familienständige Möbelhäuser genauso wie für Bäckereien, Metzgereien usw. Heute gibt es nur noch wenige große Marken, engl. Brands, die namenlosen Fleischlieferanten der Discounter wie die Zulieferer der großen Baumarktketten usw. Mehr als die inhaltliche Qualität gilt das Image einer Marke, daher die erfolgreichen Versuche ärmerer Länder, billige Kopien von Edelprodukten z.B. an Touristen zu veräußern, welche sich auch mit genau diesen Marken schmücken wollen…“

Die Beton-Brote drücken dies ebenfalls aus, denn der deutsche Hartz IV-Empfänger, der zu einem „Ein Euro“-Job verdonnert wird, befindet sich als Opfer der globalen Ökonomisierung strukturell in einer ähnlichen Situation wie der chinesische Arbeitssklave im formal immer noch kommunistischen China oder die Näherin in einer maroden Fabrikhalle in Bangla Desh. Dass er solche Themen mit Kunst-Aktionen vorzugsweise im öffentlichen Straßenraum artikuliert, ist für Hermann-Josef Hack stimmig: „Die gesellschaftliche Umgestaltung findet aktuell auf den öffentlichen Straßen und Plätzen statt… Es hilft nichts, sich als künstlerischer Seismograph der Wirklichkeit in eine Galerie oder ein Museum verbannen zu lassen…“. www.hermann-josef-hack.de.

Klimaflüchtlingslager vor dem Leopold-Hoesch-Museum in Düren

veröffentlicht um 05.07.2014, 12:49 von Hermann Josef Hack   [ aktualisiert: 05.07.2014, 15:11 ]

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Seit heute ist Düren Klimaflüchtlingslager
Düren. Der Siegburger Künstler Hermann Josef Hack hat heute die Stadt Düren zum Klimaflüchtlingslager erklärt und sein Flüchtlingslager von ca. 800 von ihm gefertigten Miniaturzelten vor dem Leopold-Hoesch-Museum aufgebaut.
In Anwesenheit von Dürens Bürgermeister Larue forderte Hack soziales Engagement für Flüchtlinge, statt sie wie Feinde an den Grenzen Europas abzuweisen. „Wenn wir schon heute Probleme damit haben, ca. 100.000 von weltweit 50 Millionen Flüchtlingen in Deutschland aufzunehmen, wie werden wir uns verhalten, wenn nach Schätzungen der Vereinten Nationen im Jahr 2050 etwa 200 Millionen Flüchtlinge eine neue Heimat suchen, weil sie durch die Folgen der Klimakatastrophe alles verloren haben?“, fragte Hack.
Trotz zeitweilig heftigen Regens wurden zahlreiche Passanten angezogen, sich die Aufschriften auf den Zelten anzuschauen („Soziale Kälte gegen Erderwärmung“, „Backöfen statt Krisenherde“ etc.). Die regionalen TV- und Printmedien berichteten und sorgten so für eine weitere Verbreitung des Anliegens.
Hack war zu Gast auf Einladung des Fördervereins für Menschenrechte Düren e.V. Seine Aktion steht im Kontext der Ausstellungen und des Diskurses „Konzeption Landschaft“ des Leopold-Hoesch-Museums & Papiermuseums Düren und der Landesgartenschau NRW Zülpich 2014 und wurde ermöglicht durch die F. Victor Rolff-Stiftung.
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Hermann Josef Hack erklärt Düren zum Klimaflüchtlingslager, Leopold-Hoesch-Museum, 5. Juli 2014
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Hermann Josef Hack declares the city of Düren a climate refugee camp, July 5, 2014